Wer es nicht aushalten konnte die neue Staffel House of the Dragon, bei welcher die "Grünen" und die "Weissen" bekanntlich um die Macht im fiktiven Westeros buhlen am 21. Juli zu sehen, bekommt nun einen deutlich realeren Machtkampf mit. 48 Stunden nach dem ersten Titel seit 26 Jahren steht der FC St.Gallen 1879 vor dem grössten Führungsumbruch der Klubgeschichte. Ein Teil der Aktionäre will am 30. Juni vier von fünf Verwaltungsräte austauschen. Der Präsident soll mittelfristig folgen. Wie es soweit kam und warum eine Handvoll Personen faktisch über die Zukunft eines 19'000-Aktionärs-Klubs entscheidet. Diese Page soll all denen helfen, welche nicht den ganzen Tag haben den Tagi zu refreshen.
Was im Wankdorf als Volksfest begann, kippte binnen 48 Stunden in eine kollektive Ernüchterung. In der ganzen Ostschweiz wurde der Cupsieg gefeiert, in jeder Beiz, an jedem Stammtisch. Und dann diese Nachricht. Die Wut war gross, die Enttäuschung grösser. Sponsoren drohten mit Ausstieg, die Stadtregierung meldete sich öffentlich besorgt, die Fankurve schrieb auf Transparenten zurück. Eine ganze Region fühlte sich um ihren Moment betrogen.
Dass ausgerechnet im Augenblick des grössten sportlichen Erfolgs seit einer Generation, unmittelbar vor der anstehenden Saisonkarten-Verlängerung, eine Handvoll Grossaktionäre den Verwaltungsrat austauschen wollte, wirkt rückblickend wie ein strategischer Fehlgriff sondergleichen. Der Zeitpunkt legte alle Karten in die Hände des amtierenden VR: Hüppi, gerade als Cupsieger gefeiert, mit der ganzen Ostschweiz im Rücken, vor einer Abo-Kampagne, die ohne ihn faktisch nicht zu führen war. Eine kürzere Sicht ist kaum vorstellbar, und der Ausgang am 27. Mai zeigt das deutlich.
Diese Saga sollte deshalb mehr sein als eine Anekdote. Sie zeigt, wie zerbrechlich etwas so Schönes wie der FCSG ist, und wie viel davon an wenigen Personen hängt. Zehn Aktionäre standen bis Anfang Woche hinter der Event AG (zwei davon sind Brüderpaare, gebündelt in der Fortimo und einer Familienholding). Vier ziehen sich nun zurück. Sechs bleiben, mit grösserem Anteil als zuvor. Die Macht konzentriert sich weiter. Der nächste Bruch, ausgelöst durch zwei oder drei abweichende Stimmen am richtigen Tisch, ist strukturell jederzeit wieder möglich. Wer den Klub liebt, sollte das im Hinterkopf behalten.
— Amir
Vom Tod des grössten Einzelaktionärs im Frühling 2025 bis zur ausserordentlichen Generalversammlung im Juni 2026 — die Schritte, die zum aktuellen Beben führten.
Per 30. Juni 2026 sollen vier von fünf Verwaltungsräten ausserordentlich ausscheiden. Das Quartett, das nachrücken soll, wurde noch nie öffentlich vorgestellt.
Ein Aufstand der 19'000 Kleinaktionäre wäre ein starkes Zeichen — gänzlich verhindern können sie den Umbruch aber nicht. Entscheidend wird, ob ein Teil der Grossaktionäre bei Hüppi bleibt.